Schutz vor Starkregen in Passau

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Mit Risikokarten und einem Frühalarmsystem begegnet die Stadt Passau der Gefahr von Starkregen und Sturzfluten. Die Karten dienen als Grundlage, um bauliche Schutzmaßnahmen zu realisieren. Das Frühalarmsystem misst Niederschlag, Überstau in Kanalnetzen und Pegelstände und warnt rechtzeitig vor Gefahren.

Die Starkregen-Risikokarte der Stadt Passau zeigt das Gefährdungspotential anschaulich.

Starkregen und Sturzfluten können jeden treffen, selbst an Hanglagen abseits von Flüssen. Diese Erfahrung musste 2016 auch die Stadt Passau machen. Die schweren Überflutungen mit 15 Millionen Euro Schaden wurden nicht von den drei Flüssen Donau, Ilz und Inn ausgelöst, sondern von kleinen Bächen sowie durch wild abfließendes Wasser mitten durch die Bebauung.  Ursachen für die Höhe und Schwere der Schäden lagen darin, dass von Sturzfluten gefährdete Gebiete nicht bekannt waren und es keine rechtzeitige Alarmierung gab. Passaus Oberbürgermeister Jürgen Dupper, der Stadtrat und die Verwaltung haben umgehend reagiert und mit Sonderfördermitteln des Freistaats Bayern Starkregen-Gefahrenkarten und Starkregen-Risikokarten erstellen lassen. Mit Simulationen von unterschiedlich starken Niederschlägen konnten dabei gefährdete Gebiete erkannt und das Risiko bis auf Gebäude und Grundstücksebene ermittelt werden. Die Risikokarten zeigen Überschwemmungen von Flüssen, Überflutungen durchwild abfließendes Wasser und Einstau in Mulden und Senken und sind damit Grundlage für Planung und Realisierung von kommunalen sowie privaten baulichen Schutzmaßnahmen.

MESSUNG IN ECHTZEIT

Als weiteren Baustein hat die Stadt Passau seit 2017 ein Starkregen-Frühalarmsystem(FAS) im Einsatz. In den Einzugsgebietender Stadt messen Sensoren in Echtzeit Niederschlag, Überstau in Kanalnetzen und Pegelstände in Flüssen. Bei Erreichen kritischer Werte informiert das FAS in drei Stufen per App, E-Mail und SMS und in der höchsten Alarmstufe S3 zusätzlich mit Voice-Call. Die Feuerwehr Passau nutzt das FAS bei der Einsatzplanung zum rechtzeitigen Sperren von Unterführungen bis hin zur Planung von Evakuierungen. Dem Bauhof dienen die Informationen über Niederschlag und Pegelstände zur Kontrolle von Abflusswegen und im Bedarfsfall zur frühzeitigen Beseitigung von Abflusshindernissen.

ALARMIERUNG PER ANRUF

Das Frühalarmsystem hat sich bereits mehrfach bewährt. Am 25. Juni 2020wurde sogar die höchste Alarmstufe erreicht. Im Einzugsgebiet Beiderwiesbach wurden extreme Niederschläge gemessen und Rettungskräfte und Bürger per Anrufalarmiert. Bauliche Maßnahmen und rechtzeitiges Handeln haben dazu beigetragen, dass es zu keinem größeren Schaden kam.
Vorerst wurden die Starkregen-Risikokarten und das Starkregen-Alarmsystem für die vom Starkregenereignis 2016 am stärksten betroffenen Stadtteile Haibach, Innstadt, Grubweg, Ilzstadt sowie Hals erstellt. Die Ausweitung auf das komplette restliche Passauer Stadtgebiet soll in den kommenden Monaten erfolgen. Bürger und Mieter können sich ferner über das Sturzflut-Gefährdungspotenzial ihrer Grundstücke informieren. Nach Onlineanfrage über das FAS bei der Stadt Passauerfolgt eine qualifizierte Aussage über das Starkregenrisiko auf dem Grundstück einschließlich einer Empfehlung von passenden Schutzmaßnahmen.

Im Original erschienen in „der Gemeinderat 9/20“


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