Städtetag: Digitalisierung im Starkregenschutz

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Risikomanagement und Frühalarmsystem Herrieden

Starkregen und Sturzfluten verursachen Milliardenschäden und fordern Menschenleben. Digitalisierung und IoT (Internet of Things) sorgen in der Stadt Herrieden für einen wirkungsvollen Starkregenschutz für ihre Bürgerinnen und Bürger. Mit Starkregensimulationen werden von Starkregen gefährdete Gebiete und Gebäude erkannt. Die Erkenntnisse dienen als Grundlage für Planung und Bau von Schutzmaßnahmen.  Zusätzlich warnt und alarmiert ein cloudbasiertes Starkregen-Frühalarmsystem (FAS) in Echtzeit Rettungskräfte und Bürger und schafft wertvolle Zeit, um Schäden abzuwehren und Schlimmeres zu verhindern. Beide Lösungen „Risikokarten“ und „Frühalarmsystem“ sind erfolgreich im Praxiseinsatz. Der Freistaat Bayern fördert das Sturzflut-Risikomanagement der Stadt Herrieden mit 75 %. Risikokarten und Frühalarmsystem wurden vom  Fachbüro Spekter aus Herzogenaurach erstellt und installiert.

Starkregengefahren- und Risikokarten

Die Stadt Herrieden ist eine von 40 Kommunen in Bayern, die im Rahmen des Sonderförderprogramms „Sturzflut-Risikomanagement“ Risikokarten erstellt hat. Für das gesamte 100 Quadratkilometer große Einzugsgebiet der Stadt Herrieden wurden auf Grundlage der bayernweit zur Verfügung stehenden Laserscandaten digitale Geländemodelle erstellt und Regenereignisse simuliert. Dadurch wurden nicht nur Überschwemmungen von der im Zuständigkeitsbereich der Stadt liegenden Gewässer dritter Ordnung erkannt, sondern auch Überflutungen durch Fließwege zu den Vorflutern und Einstaubereiche in Mulden und Senken.  Die Ergebnisse stehen der Stadt Herrieden als Animationsfilme sowie im Web und Mobile zur Verfügung.

Starkregengefahrenkarte Ausschnitt Neunstetten

Evaluierung mit Bürgern

Die Starkregengefahrenkarten wurden im Rahmen von 10 Bürgerversammlungen vorgestellt und in Workshops besprochen. Zusätzlich wurde für die Bürger ein Onlineservice eingerichtet, in den Schäden und Hinweise via Internet eingegeben werden können. Die Akzeptanz und das Feedback waren sehr groß. Die Erfahrungen und Hinweise waren wichtige Beiträge zur Bestätigung der Simulationen der Ergebnisse der Starkregen-Gefahren- und Risikokarten.

Ausschnitt Heuberg mit Schadensmeldung im Web

Überflutungsschutz und Bauleitplanung

Die Erkenntnisse aus der durch Simulation gewonnenen Starkregen-Risikokarten stehen Kommune und Bürger als Grundlage für Planung und Bau von Schutzmaßnahmen zur Verfügung.

Gleichermaßen dienen die Karten zur qualifizierten Einschätzung der Überflutungsgefahr in der Bauleitplanung. Die Starkregengefahren- und Risikokarten verstehen sich nach den Zielen des Sonderförderprogramms vorrangig als Hinweiskarten zur Warnung und Empfehlung geeigneter Maßnahmen an hochwasserangepasstes Bauen. Bei Ausweisung neuer Baugebiete sowie bei Aufstellung, Änderung oder Ergänzung von Bauleitplänen können mit den Starkregensimulationen die nach Hochwasserschutzgesetz II geforderten Nachweise, insbesondere zum Schutz von Leben und Gesundheit, sowie Vermeidung erheblicher Sachschäden erbracht werden.

Die Simulationen ermöglichen bereits in der Phase der Bauleitplanung die Findung und Berücksichtigung geeigneter Lösungen wie z.B. Rückhalteflächen und Notwasserwege.

Praxiseinsatz

Mit den Starkregensimulationen konnten Einwände in der Bauleitplanung gelöst werden. Einer Gewerbegebietserweiterung in der Stadt Herrieden standen Überflutungsbefürchtungen der Bürger vom Stadtteil Roth entgegen. Die von der Stadt Herrieden durchgeführten Simulationen bestätigten die Befürchtungen und führten zu einer Umplanung im Verfahren. Als Lösung wurde eine Rückhaltung mit Renaturierung gefunden und realisiert.

Simulation Istzustand – Simulation Lösungsvorschlag – Nachweis der Veränderung der Einstaubereiche

Starkregen-Frühalarmsystem (FAS)

Bauliche Maßnahmen allein bieten vor allem bei extremen Starkregen keinen ausreichenden Schutz. Mit rechtzeitiger Vorsorge und richtigem Verhalten können jedoch Gefahren abgewehrt werden. Entscheidend ist eine frühzeitige Warnung und Alarmierung von Rettungskräften und Bürgern. Die Stadt Herrieden hat ein Starkregen-Frühalarmsystem (FAS) eingerichtet, das 24/7 über die Stadt wacht und automatisiert Bürger per Email und SMS warnt und im Extremfall mit persönlichen Telefonanruf im System angemeldete Bürger vor Sturzfluten alarmiert. In jedem Regeneinzugsgebiet der Stadt Herrieden wurden Niederschlag- und Pegelsensoren installiert. Gebietsbezogen wird der Regen und das Abflussverhalten in Echtzeit gemessen und in die FAS-Cloud der Stadt Herrieden übertragen. Bei Erreichen von Grenzwerten informiert das FAS in Sekundenschnelle in drei Starkregen-Stufen „S1-Rückstaugefahr“, „S2-Überflutungsgefahr“ und „S3-Sturzflutgefahr“. Die Entwicklung der von Regenereignissen können zudem im Web und Mobile online verfolgt werden.

Grafik Funktionsschema

Praxiseinsatz

Das FAS war bereits eine Woche nach Inbetriebnahme im Praxiseinsatz. Ein lokales Starkregenereignis der Stufe 1 wurde gebietsgenau im Einzugsgebiet Heuberg erkannt und gemeldet. Das FAS ist bei weiteren Städten und Kommunen seit zwei Jahren erfolgreich im Einsatz. So konnten mit dem FAS die Rettungskräfte der Gemeinde Adelsdorf frühzeitig über die Stufen 2 und 3 des „Fronleichnamhochwassers 2018“  informiert und alarmiert werden. Das FAS ist für Bürgerinnen und Bürger freigeschaltet. Einwohner der Stadt Herrieden können sich über www.starkregenalarm.de/herrieden im FAS anmelden.

(Im Original erschienen unter http://staedtetag.blog von Alfons Brandl, Erster Bürgermeister Stadt Herrieden)

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