Interview mit Radio BAYERN plus

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Interview mit Radio BAYERN plus und SPEKTER  zum Thema Starkregen- Frühalarmsystem

[BR+]  Tom Viehwegh, Moderator BR plus
Unser Wetter neigt immer häufiger zu Extremen. Momentan zwar nicht so sehr aber wir wissen was im letzten Jahr alles los war. Hitzewellen über Wochen enorme Dürre, Starkregen, Überschwemmungsgefahr. All das haben wir erlebt. Und nicht nur in fernen Ländern weit weg von uns, sondern auch hier direkt mehr oder weniger um die Ecke. Beispielsweise vor über einem Jahr. Am 31. Mai im vergangenen Jahr da sind in Adelsdorf in Mittelfranken in kurzer Zeit stellenweise mehr als 60 Liter Wasser pro Quadratmeter gefallen. Und da hat ein eigenes Starkregen Frühwarnsystem im Ort – allerdings noch im Probebetrieb – gearbeitet. Es ist schon fast eine Ironie des Schicksals könnte man sagen, dass ausgerechnet in der heimgesuchten Gemeinde Adelsdorf das erste Starkregen Frühwarnsystem in Bayern getestet worden ist. Die Feuerwehr und das Rathaus waren an diesem Meldesystem  angeschlossen, das an Fronleichnam um 18 Uhr 47 ganz genau die erste Warnstufe angekündigt hat. Inzwischen haben sich mehrere andere Gemeinden im Freistaat an so ein Frühwarnsystem anschließen lassen. Warum das sinnvoll ist und wie das System entwickelt wurde und wie es funktioniert darüber wollen wir jetzt am Vormittag sprechen. Das System kommt aus Adelsdorf von der Firma Spekter und im Studio darf ich jetzt den Firmenchef begrüßen –  Reinhard Brotrecht. Was war die Motivation ein solches System zu entwickeln und wie funktioniert es.

[RB]  Reinhard Brodrecht, Geschäftsführer SPEKTER
Ich war vor zehn Jahren selbst Geschädigtergewesen und das hat mich traumatisiert. Unterdessen habe ich geforscht undentsprechend Lösungen gesucht, wie man sich besser schützen kann. Wie Sie essagten „Ironie des Schicksals“ – das ist eine gute Überleitung. Es ist wirklichso gewesen, dass unser System funktioniert hat – für die Leute tragisch, die esnicht nutzen konnten aber gut für das System, weil es bewiesen hat, dass wir mitder heutigen Technologie in der Lage sind Frühwarnsysteme zu etablieren dietatsächlich den echten Regen messen können und die daraus resultierende Gefahrerkennen und letztlich warnen können. Das heißt im Klartext Ich kann Ihnen einehalbe Stunde zuvor sagen, dass ihr Anwesen bedroht ist.  Die Zeit bleibt Ihnen um Vorsorge zu treffenund wenn es schlimmer kommt, dass Sie entsprechend höhere Räume aufsuchen –d.h. das System kann ihr Leben retten.

[BR+] Das heißt im Gegensatz zu unserenWettervorhersagen, die sehr weit gefächert sind für die Region können sie ganzpunktuell auf einen ganz bestimmten Ort schon diese Warnung geben.

[RB] Exakt genau das ist das Thema. Wir haben ein StarkregenFrühalarmsystem und wir beobachten den Regen und die Abflüsse lokal in den Einzugsgebieten.So können wir exakt berechnen, wann Bürger betroffen sind.

[BR+] Dazu benötigt das System wahrscheinlich vieleverschiedene Daten? Wie genau funktioniert das tatsächlich?

[RB] Alle reden über künstliche Intelligenz und Digitalisierung- wir haben das tatsächlich im Einsatz. Unsere Sensoren übertragen gemesseneDaten in Echtzeit an unseren Cloudservice. Wir haben Niederschlagssensoren,Pegelsensoren und Kanalsensoren im Einsatz. All diese Informationen kommen indie Cloud und werden dort von unseren Algorithmen ausgewertet.

[BR+] Das Ganze braucht vermutlich Strom, weil es jaletztendlich ein technisches Gerät ist vermute ich. Was passiert denn wenn einGewitter kommt? Da trifft es ja ab und zu mal irgendein Elektrizitätswerk. Wasfür Erfahrungswerte haben Sie mit der Zuverlässigkeit des Systems?

[RB] Das System funktioniert auf Batterie Basis, quasiwie eine Unterbrechungsfreie Stromversorgung. Das heißt wenn der Strom weg ist,ist das kein Problem, das System arbeitet weiter einfach weiter.

[BR+] Und wie genau werden die Bürger dann alarmiert?Wie tauchen diese Meldungen dann in meinem täglichen Leben auf?

[RB] Wenn das System feststellt, dass es Probleme gibt, ruft unser Starkregen-und-Sturzflut-Infosystem – SUSI – direkt bei Ihnen an. SUSI ist aber kein richtiger Mensch der da anruft, sondern eine Maschine. Parallel schickt das System Ihnen die Warnung per Email und SMS. Unter www.starkregenalarm.de können Sie sich zusätzlich über den aktuellen Gefahrenstand in Ihrem Gebiet informieren. Nach amerikanischem Vorbild gibt es verschiedene Alarmstufen: S0 – hier gibt es keine Probleme, S1 – Rückstaugefahr, S2 – Überflutungsgefahr und S3 – Sturzflutgefahr – hier heißt es dann nicht mehr in den Keller gehen, sondern höhergelegene Orte aufsuchen!

[BR+] Wie groß ist der Vorlauf?

[RB] Im Schnitt kann man von einer halben Stundeausgehen. Wenn Sie in einem steilen Einzugsgebiet leben, dann ist esentsprechend kürzer.

[BR+] Eine Frage die wir Deutschen immer stellen, waskostet mich das?

[RB] Die Gemeinden Adelsdorf undVeitsbronn stellen das System ihren Bürgern kostenlos zur Verfügung.

[BR+] Geht die Anbindung grundsätzlich nur über dieGemeinde oder kann ich mich auch als Privatmann direkt warnen lassen?

[RB] Nein, dass System wird immer für eine gesamteKommune bereitgestellt. Somit gehen wir sicher, dass auch alle Bürger dasSystem nutzen können.

[BR+] Jetzt haben Sie am Anfang gesagt, andereGemeinden interessieren sich auch schon dafür. Wie weit sind Sie da schonvorgedrungen in Bayern? Wer hat es schon alles oder hat zumindest Interesse?

[RB] Wir sind bundesweit unterwegs. Aktuell hat zumBeispiel die Stadt Baiersdorf mit Bürgermeister Galster und seinem Stadtrat dasSystem beauftragt. Es gibt noch weitere Städte die jetzt schon Teststellungen haben,die wir in den nächsten zwei drei Monaten dann auch verkünden dürfen.

[BR+] Arbeiten Sie noch an weiteren technischenInnovationen die das System noch besser und noch zuverlässiger machen?

[RB] Zweimal ja. Zum einen ist das System jetzt schon ausgereift undfunktioniert tadellos, zum anderen entwickeln wir das System aber stetig weiterund machen es für den Anwender noch besser. Wir haben aktuell den Guardian imEinsatz, das ist ein Sensor, den der Bürger auch privat nutzen kann. DerGuardian steht z.B. im Keller und funktioniert wie ein Rauchmelder – halt nur fürWasser. Haben Sie in Keller Wasser, werden Sie über das Frühalarmsystemalarmiert. Der Guardian hat eine Intelligenz und unterscheidet dabei ob nurIhre Waschmaschine ausgelaufen oder ob eine Gewitterfront wirklich Regenwasserin Ihren Keller laufen lässt.

[BR+] Das wird möglicherweise auch die Versicherunginteressieren, weil es ja auch eine Maßnahme ist wie man sein Eigentum undseinen Hausrat schützen kann. Ich bin mal gespannt wie es weitergeht. Werneugierig geworden ist oder sich als Gemeinde für dieses Frühwarnsystem vonReinhard Brodrecht interessiert, kann sich im Internet unter www.spekter.de Informieren. Vielen Dank für Ihren Besuch imStudio!

[RB] VielenDank für das Interview.

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