Adelsdorf wappnet sich gegen Starkregen

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Starkregen Frühalarmsystem Adelsdorf

Das Starkregenereignis vom Fronleichnamsabend sitzt vielen Adelsdorfern noch in den Knochen. Die großen Wassermassen von über 60 Litern pro Quadratmeter konnte das intakte Adelsdorfer Kanalsystem nicht aufnehmen und so kam es zu vielen Überflutungen und enorm vielen Schäden in der Gemeinde. Dies war der Anlass, die Bevölkerung zu einem Informationsabend „Starkregen“ in das Foyer der Aischgrundhalle einzuladen.

(Im Original publiziert von Johanna Blum unter www.infranken.de)

Ziel war es, in einer Analyse das Fronleichnamserlebnis aufzuarbeiten. Die Firma Spekter von Reinhard und Florian Brodrecht sowie Matthias Falk berichtete ausführlich über Erkenntnisse und Maßnahmen im Starkregenüberflutungsschutz.

Außerdem wurde an diesem Abend auch das bayernweit erste Starkregen-Frühalarmierungssystem nach mehrmonatigem Probebetrieb für die Adelsdorfer Bürger freigeschaltet. Dieses misst in Echtzeit die tatsächlichen Niederschläge für jedes Abflusseinzugsgebiet, Druckwerte im örtlichen Kanalnetz sowie Pegelstände. So kann es frühzeitig und gebietsgenau über Starkregengefahren informieren. Das System verschickt zudem nach Gefahrenlage E-Mails und SMS und ruft im kritischen Fall den betroffenen Bürger sogar an.
Das Kanalsystem funktioniere gut, aber es laufe irgendwann einfach voll. Bei Starkregen kollabiere das System. Jeder Bürger sei deswegen zur regelmäßigen Überprüfung des Rückstauverschlusses verpflichtet.

„Starkregen wird zunehmen, aber wir können etwas dagegen tun“, erklärte Reinhard Brodrecht zu Beginn seiner Ausführungen. Starkregen habe fast jeden Fleck in Deutschland schon betroffen, „und erinnern wir uns an Baiersdorf, wo 139 mm/m ² heruntergekommen sind“, fuhr er fort.

Das Kanalsystem sei jedoch nur auf 10 mm/m ² ausgelegt und mehr müsse es auch nicht verkraften. Er erklärte das Starkregen-Risiko-Management, welches bedeute, das Risiko zu minimieren, nämlich „verhindern – vermeiden – versichern“ und dann „erkennen – warnen – schützen“.

Das Frühwarnsystem sei seit 2017 im Einsatz, entsprechend getestet worden und sei jetzt im ganzen Ort einsatzfähig. Das Einzugsgebiet werde permanent überwacht und man könne es im Internet verfolgen. Gefahrenstufe S 1 (gelb) bedeutet Rückstaugefahr – es werden bereits Empfehlungen gegeben. Gefahrenstufe S 2 (rot) bedeutet Überflutungsgefahr zum Beispiel für Autos auf Parkplätzen. Gefahrenstufe S 3 (lila) bedeutet Sturzflutgefahr: Rettet euer Leben!

Das Frühwarnsystem hat laut Reinhard Brodrecht seine Feuertaufe bestanden, denn es habe die Problemstellen richtig angezeigt. Minutiös wurde der Abend rekonstruiert vom Beginn des Starkregens um 18.35 Uhr über S 1 um 18.47 Uhr, S 2 um 19.05 Uhr bis S 3 um 19.41 Uhr. Die Vorwarnzeit von Stufe 1 bis Stufe 3 betrug genau 54 Minuten und hätte ausgereicht, um entsprechend reagieren zu können. Zum Glück für die Adelsdorfer endete der Starkregen, kurz nachdem S 3 eingetreten war.

„Solche Ereignisse gehen relativ kleinräumig vor sich, denn in Neuhaus bestand keine Gefahr der Überflutung“, erklärte Reinhard Brodrecht. Sein Kollege und IT-Fachmann Matthias Falk erläuterte noch genau die Online-Registrierung für das Frühalarmsystem unter www.starkregenalarm.de/adelsdorf.

Bürger fordern Maßnahmen

In der anschließenden Fragerunde ging es um das Fassungsvermögen der Kanäle und die doch recht kurze Vorwarnzeit, um Notwasserwege, Oberflächenabfluss, ob die Gesetze noch ausreichen und mehr. „Man muss sich einfach privat sichern“, so Brodrecht. Die Wettervorhersage im Internet nütze nicht viel. Nur eine echte, reale Messung vermeide Schäden.

Die Gemeinde müsse etwas machen, denn das Wasser kam aus dem alten Bahnhofsgebiet, wo nun zu viel Fläche versiegelt sei, bemängelte ein Zuhörer. Früher habe es so etwas nicht gegeben. „Bitte macht was“, flehte ein anderer. „Das Rückhaltebecken dort hat angeschlagen und der Kanal ist ausreichend groß“, so Fischkal.

Ab sofort werden die Sinkkästen zwei Mal jährlich gereinigt. Fischkal bat alle Betroffenen, das Formular „Überflutungs-Risikomanagement“ gewissenhaft auszufüllen und im Briefkasten der Gemeinde einzuwerfen. Nur so könne der Starkregenalarm weiterhin verbessert werden. Dies sei ein Beitrag, um künftige Schäden zu vermeiden. Außerdem bedankte er sich ausdrücklich bei der Feuerwehr, dem THW und dem BRK für ihren großartigen Einsatz.
Vor und in der Aischgrundhalle zeigten Adelsdorfer Installateure und Rohrreinigungsfirmen, welche Möglichkeiten es gibt, sich gegen Wassermassen zu schützen. Seien es Wasserrohre, Rückstauklappen oder auch wasserdichte Kellerfenster.

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